2026-07-28
monitoringdispatchingtelegram

Leittechnik: Ein Haus, das seine Störungen selbst meldet

Das Problem, von dem Sie zu spät erfahren

Ein Heizkessel kann am Freitagabend ausfallen — und Sie erfahren davon erst am Sonntag, wenn Sie in ein ausgekühltes Haus kommen. Ein Lüftungsfilter setzt sich über Monate hinweg zu — und auffallen tut es erst, wenn die Luft abgestanden wirkt. Ein gewöhnliches Haus behält seine Probleme bis zum letzten Moment für sich.

In unserem Einfamilienhaus-Projekt haben wir ein Monitoringsystem aufgebaut, das wie eine Leitwarte arbeitet: Das Haus überwacht seine gebäudetechnischen Anlagen fortlaufend und meldet sich per Telegram beim Bauherrn, sobald etwas aus dem Ruder läuft.

Was überwacht wird

  • Heizungsraum — zwei Kessel: Vorlauf- und Rücklauftemperatur, Brennerstatus, Verbindung zum Kessel, Störmeldungen. Dazu acht Heizkreise, jeder mit eigenem Fühler
  • Lüftung — das Lüftungsgerät meldet nicht nur „ein/aus", sondern schlüsselt 24 verschiedene Stör- und Warnmeldungen auf: vom zugesetzten Filter bis zur Frostgefahr am Wärmetauscher
  • Klima und Luftfeuchte — Messwerte je Zone sowie Abweichungen von den Sollwerten
  • Internet und Konnektivität — das Haus prüft seinen eigenen Netzzugang; fällt der Provider aus, erfahren Sie es als Erster
  • Der Automationsserver selbst — das System überwacht auch seinen eigenen Zustand: Auslastung, Temperatur, freier Speicherplatz

Wie eine Meldung aussieht

Per Telegram trifft eine Nachricht mit Dringlichkeitsstufe ein:

🔴 ALARM — Kessel 1: Störung
🟡 Warnung — Filter Lüftungsgerät: Verschmutzung
⚠️ Keine Daten — Feuchtesensor: Verbindung verloren

Und ist die Störung behoben, folgt eine Bestätigung:

🟢 Normal — Kessel 1: Verbindung wiederhergestellt

Ein Detail verdient dabei besondere Beachtung: Das System registriert nicht nur schlechte Messwerte, sondern auch Schweigen. Wenn ein Sensor schlicht aufhört zu melden, ist auch das ein Ereignis, von dem man wissen sollte. Ein defekter Fühler, der „nichts sagt", ist gefährlicher als einer, der eine Störung meldet.

Warum daraus kein Meldungsspam wird

Ein naiv gebautes Monitoring überschüttet Sie mit Benachrichtigungen: Ein Messwert pendelt um die Schaltschwelle — und Dutzende Nachrichten prasseln in den Chat. Hier muss ein Wechsel in den Alarmzustand erst eine festgelegte Bestätigungszeit lang anstehen, bevor das System ihn als echt anerkennt. Kurze Spitzen und Schwankungen werden herausgefiltert — beim Bauherrn landet nur das, was tatsächlich Aufmerksamkeit verlangt.

Historie — nicht nur „jetzt", sondern auch „wie es war"

Sämtliche Messwerte und Ereignisse werden in einer lokalen Datenbank abgelegt und 90 Tage lang vorgehalten. Damit lassen sich Fragen beantworten, die sonst reine Vermutung blieben: Wie hat sich die Vorlauftemperatur über die ganze Woche verhalten? Wann genau hat der Filter angefangen, sich zuzusetzen? Wie oft ist das Internet in diesem Monat ausgefallen?

Die technische Seite

Das Monitoring läuft lokal auf dem Automationsserver im Haus — ohne Cloud-Abonnements. Ereignisse und Zeitreihen liegen vor Ort in einer SQLite-Datenbank, die Benachrichtigungen laufen über Telegram. Der Ausfall eines Datensammlers reißt die übrigen nie mit: Jedes Teilsystem ist gekapselt.

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