Licht, das Sie nie einschalten müssen
Ein gewöhnliches Zuhause: Abends gehen Sie von Raum zu Raum und betätigen Schalter. Die Helligkeit ist dabei immer dieselbe — mittags wie um Mitternacht. Nachts, auf dem Weg in die Küche, schalten Sie dasselbe grelle Licht ein, das Ihnen direkt in die Augen fällt.
In einem unserer Einfamilienhaus-Projekte sind wir einen anderen Weg gegangen: Das Haus weiß, welche Tageszeit gerade ist, und verhält sich entsprechend.
So funktioniert es
Der Tag ist in drei Betriebsarten unterteilt — Tag, Abend und Nacht. Die Übergänge erfolgen automatisch nach Zeitplan, und die Umschaltpunkte lassen sich an die astronomische Zeit koppeln (Sonnenauf- und Sonnenuntergang werden für den jeweiligen Breitengrad berechnet — im Winter beginnt der Abend früher, im Sommer später) oder an einen Helligkeitssensor an der Fassade.
Entscheidend ist dabei: Eine Betriebsart verändert das Verhalten jeder einzelnen Leuchte und nicht bloß „alle Lichter auf einmal". Ein reales Beispiel aus dem Projekt — das Badezimmer:
- Tag — Deckenspots und Nischenbeleuchtung gemeinsam eingeschaltet: maximale Helligkeit
- Abend — nur die Spots: ruhiger, ohne überflüssige Helligkeit
- Nacht — Spots aus, nur die Nische leuchtet: ein weiches Nachtlicht, das niemanden weckt
Und so weiter — in jedem Raum. Derselbe Schalter schaltet je nach Tageszeit unterschiedliches Licht ein. Sie drücken dieselbe Taste wie immer — welche Leuchten tatsächlich angehen, entscheidet das Haus.
Bewegungsmelder — ohne Blendeffekt
In Fluren und Bädern schaltet das Licht über Bewegungsmelder — nach den Regeln der jeweils aktiven Betriebsart. Nachts aktiviert der Melder das Nachtlicht und nicht die volle Helligkeit. Auch abgeschaltet wird nicht abrupt: Das Licht erlischt erst nach einer eingestellten Nachlaufzeit (in diesem Projekt fünf Minuten nach der letzten Bewegung), damit das System Sie nicht mitten im Buch plötzlich im Dunkeln sitzen lässt.
Und wenn Sie von Hand eingreifen möchten?
Jede Zone verfügt über einen Handbetrieb: Stellen die Bewohner das Licht so ein, wie sie es gerade wünschen, merkt sich das Haus diese Vorgabe und greift nicht mehr ein — bis die Betriebsart zurückgesetzt wird. Die Handbedienung hat immer Vorrang.
Was sich im Alltag ändert
- Am Abend dimmt sich das Haus von selbst herunter — das Abschalten fällt leichter
- Der nächtliche Gang in die Küche beginnt nicht mehr mit grellem Licht in den Augen
- Beim Verlassen des Hauses kontrollieren Sie keine Schalter mehr — Betriebsarten und Melder schalten alles ab
- Gäste bedienen das Haus wie jedes andere: Die Schalter sitzen dort, wo man sie erwartet, und tun das, was man erwartet
Die technische Seite
Das System basiert auf dem drahtgebundenen KNX-Bus, darüber liegt ein MQTT-Controller, der die Szenenlogik ausführt. Wichtig dabei: Der Controller ist eine Ebene über KNX — und nicht das einzige Gehirn. Die grundlegende Lichtsteuerung läuft auf dem Bus selbst. Fällt der Controller aus, funktionieren die Schalter also weiterhin und das Haus bleibt nie im Dunkeln.
Die Szenarien liegen lokal und nicht in einer Cloud — Zeitpläne und Sensorik arbeiten auch ohne Internetverbindung. Das Verhalten jeder Leuchte in jeder Szene ist in der Konfiguration hinterlegt: Das „Nachjustieren des Abends" ist eine reine Parameteränderung, die der Bauherr selbst über die Weboberfläche vornehmen kann, ohne uns anzurufen.