2026-08-06
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Wie Sie 2 000 KNX-Gruppenadressen so strukturieren, dass sie auch nach vier Jahren noch lesbar sind

Zweihundert Adressen verzeihen alles. Zweitausend nicht.

In einer kleinen Wohnung können Sie Gruppenadressen benennen, wie Sie möchten. Alles passt auf einen Bildschirm, und wer das Projekt geschrieben hat, betreut es auch.

Ab etwa tausend Adressen gilt das nicht mehr. Öffnen Sie ein ETS-Projekt, das jemand anderes hinterlassen hat, finden Sie meist dieselbe Halde: Licht_1, Licht_2, neue Gruppe und eine Handvoll Adressen, die niemand anzufassen wagt. Die Anlage läuft weiterhin. Etwas daran zu ändern kostet einen Tag Reverse Engineering.

Die Struktur ist keine Kosmetik. Sie entscheidet darüber, ob das Projekt seinen Autor überlebt.

Drei Ordnungsprinzipien, von denen zwei scheitern

  • Nach Raum. Liest sich am ersten Tag gut und scheitert, sobald die erste Wand versetzt wird. Räume werden zusammengelegt, geteilt und umbenannt; die Adressen bleiben, wo sie waren, und passen nicht mehr zur Realität.
  • Nach Gerät. Bindet den Adressraum an die Hardware. Tauschen Sie einen Dimmaktor gegen ein anderes Modell, beschreibt die Nummerierung nichts mehr.
  • Nach Funktion und Geschoss. Räume ändern sich, Hardware wird ersetzt, aber „Beleuchtung im Obergeschoss" bleibt „Beleuchtung im Obergeschoss", solange das Gebäude steht. Das ist das einzige der drei Prinzipien, das wirklich skaliert.

Wie fünfzehn Hauptgruppen auf 860 m² aussehen

Eine reale Anlage: Untergeschoss plus zwei Geschosse, 148 KNX-Geräte, drei Buslinien. Fünfzehn Hauptgruppen tragen das Ganze.

  • 0 — Allgemein: Uhrzeit, Datum, zentrales Licht Aus, Wintermodus
  • 1–4 — Beleuchtung, je eine Hauptgruppe pro Geschoss plus eine für die Fassade
  • 5 — Beschattung
  • 6 — Lüftung
  • 7 — Präsenzmelder
  • 8–9 — HLK, nach Geschoss getrennt
  • 10–12 — Fußbodenheizung, je eine Hauptgruppe pro Geschoss
  • 13 — Klimasensorik: Luftfeuchte, CO₂, TVOC, PM2.5, Temperatur
  • 14 — Taster und deren LEDs

Es geht um Vorhersagbarkeit, nicht um Schönheit

Das ist der Teil, auf den es wirklich ankommt. Innerhalb jeder Beleuchtungs-Hauptgruppe wiederholen sich die Mittelgruppen in derselben Reihenfolge: /0 Schalten, /1 Schaltstatus, /2 Dimmen, /3 Helligkeitswert, /4 Helligkeitsstatus, /5 Meldersperre.

Die Folge: Eine Leuchte behält über die gesamte Reihe hinweg dieselbe letzte Nummer:

1/0/11 L 0.05-88 On/Off ← Befehl 1/1/11 L 0.05-88 On/Off St ← Status 1/2/11 L 0.05-88 Dim 1/3/11 L 0.05-88 Vol 1/4/11 L 0.05-88 Vol St

Wer die Befehlsadresse kennt, rechnet sich die Statusadresse im Kopf aus. Kein Öffnen des Projekts, kein Suchen, kein Anruf bei demjenigen, der die Inbetriebnahme gemacht hat. Bei einem Serviceeinsatz um neun Uhr abends macht genau dieser Unterschied die ganze Arbeit aus.

Warum Statusmeldungen eine eigene Mittelgruppe bekommen

Die verlockende Alternative besteht darin, den Status auf die Adresse direkt neben dem Befehl zu legen — 1/0/11 schaltet, 1/0/12 meldet zurück. Das wirkt kompakt und ist ein Fehler.

Statusmeldungen sind der geschwätzige Teil des Busses. Aktoren senden sie bei jeder Änderung, und in einer großen Anlage ergibt das einen permanenten Strom von Telegrammen. Liegen sie in einer eigenen Mittelgruppe, lässt sich die gesamte Klasse mit einem Klick aus dem Busmitschnitt ausblenden — genau das, was man bei der Fehlersuche braucht. Zwischen die Befehle gemischt, wird jeder Mitschnitt doppelt so lang und halb so lesbar.

Lassen Sie Lücken

In diesem Projekt sind 2 020 Gruppenadressen angelegt und 1 579 davon tatsächlich benannt. Die 441 freien sind keine Nachlässigkeit — es sind die Lücken innerhalb jeder Mittelgruppe, damit die nächste Leuchte, der nächste Sensor, die nächste Zone an der richtigen Stelle landet und nicht am Ende der Liste.

Vier Jahre später hat sich jede Erweiterung in das bestehende Schema eingefügt. Umbenannt werden musste nichts.

Checkliste für Ihr eigenes Projekt

  • Hauptgruppen folgen Funktion und Geschoss, niemals Räumen oder Gerätemodellen.
  • Mittelgruppen wiederholen sich in jeder Hauptgruppe in derselben Reihenfolge.
  • Statusmeldungen liegen in eigenen Mittelgruppen und nicht neben den Befehlen.
  • Die letzte Nummer bezeichnet über die gesamte Reihe hinweg dasselbe physische Objekt.
  • Jede Adresse hat einen gesetzten Datenpunkttyp — ein leerer Typ ist ein künftiger Fehler.
  • Lücken bleiben innerhalb der Gruppen und werden nicht hinten angehängt.
  • Die Benennung hält es aus, von jemandem gelesen zu werden, der nicht dabei war.

Überzeugen Sie sich selbst

Der vollständige Adressbaum dieser Anlage ist anonymisiert auf der Projektseite veröffentlicht — durchsuchbar nach Name, Adresse und Datenpunkttyp und als CSV herunterladbar. Beurteilen Sie die Benennung selbst.

Das Projekt mit 860 m² samt vollständigem GruppenadressbaumKNX-Programmierung als Dienstleistung

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