Ein Befeuchter braucht einen Hygrostaten: etwas, das ihn bei trockener Luft einschaltet und wieder ausschaltet, sobald die Feuchte erreicht ist. Ein eigener KNX-Hygrostat ist ein weiteres Gerät an der Wand oder im Verteiler und eine weitere Position im Angebot.
Oft geht es auch ohne. KNX-Bediengeräte und Sensoren haben meist eingebaute Thermostate, und nicht alle davon sind belegt. Dem Thermostat ist egal, was er regelt: Er vergleicht eine Zahl mit dem Sollwert und schaltet einen Ausgang ein oder aus. Bekommt er statt der Temperatur die Feuchte, wird er zum Hygrostaten.
Im Folgenden zeigen wir, wie das in einer 72-m²-Wohnung mit fünf Klimazonen umgesetzt ist. In jeder Zone hängt ein Zennio Z35 v2 mit eingebautem Feuchtesensor, und ein Befeuchter wird über ein Relais des Aktors Zennio MAXinBOX 24 v2 geschaltet. Wir zeigen eine Zone, die anderen vier sind genauso eingerichtet.
Was es leisten soll
- Feuchte unter dem Sollwert — der Befeuchter läuft. Sollwert erreicht — er stoppt.
- Das Panel zeigt die aktuelle Feuchte. Der Sollwert lässt sich ändern und die Befeuchtung ganz abschalten.
- Das Panel zeigt, ob der Befeuchter gerade läuft.
- Das Relais klackt nicht alle paar Minuten.
Warum ein Thermostat das kann
Ein Thermostat im Modus „Heizen“ arbeitet einfach: Wert unter dem Sollwert — Ausgang ein, darüber — aus. Ein Befeuchter ist für die Feuchte, was die Heizung für die Temperatur ist: einschalten, und der Wert steigt. Der Modus „Heizen“ ist also genau der Hygrostat-Modus.
KNX überträgt Temperatur und Feuchte im selben Format, als 2-Byte-Gleitkommazahl (DPT 9). Für den Thermostat sind 40 % Feuchte und 40 °C dieselbe Zahl 40. Dass es Prozent sind, muss er nicht wissen.
Sieben Gruppenadressen
Der Hygrostat braucht sieben Adressen: Befehl und Status für Ein/Aus, Befehl und Status für den Sollwert, die Feuchte, den Befehl an den Aktorkanal und dessen Status.

| Adresse | Inhalt | Sender | Empfänger |
|---|---|---|---|
| 5/0/14 HT Acive | Befeuchtung ein/aus | Feld K5 im Display | Thermostat 2: Ein/Aus |
| 5/0/15 HT Acive St | Status ein/aus | Thermostat 2 | Feld K5 |
| 5/0/16 HT SetPoint | Sollwert, % | Feld K7 | Thermostat 2: Sollwert |
| 5/0/17 HT SetPoint St | Sollwertstatus | Thermostat 2 | Feld K7 |
| 5/0/18 HT Humidity | Feuchte, % | Feuchtesensor des Panels | Thermostat 2 und Feld K6 |
| 5/0/19 HT Zone | Befehl an den Befeuchter | Thermostat 2 | Aktorkanal |
| 5/0/20 HT Zone St | Befeuchter läuft | Aktorkanal | Feld K8 |
Schritt 1. Der Feuchtesensor
Im Z35 v2 ist der Feuchtesensor eingebaut. Seine Parameter stehen auf der Seite „Feuchte → Konfiguration“. Die Screenshots stammen aus einer russischen ETS, deshalb nennen die Tabellen die Parameter auf Deutsch.

| Parameter | Wert | Wozu |
|---|---|---|
| Kalibrierung des Feuchtesensors | −12 % | Mit einem Hygrometer verglichen: Das Panel zeigte 12 % zu viel. Ohne Korrektur würde der Befeuchter zu früh aufhören |
| Sendezyklus Feuchte | 60 s | Der Thermostat bekommt jede Minute einen frischen Wert, auch wenn sich die Feuchte nicht ändert — etwa nach einem Neustart |
| Senden bei Feuchteänderung | 2 % | Eine spürbare Änderung geht sofort raus, ohne auf den Zyklus zu warten |
| Schutz (Feuchte) | Nein | Schwellwertalarme braucht es nicht: Geregelt wird im Thermostat |
| Taupunkt | 600 s, bei 1 °C Änderung | Für den Hygrostaten nicht nötig |
Schritt 2. Ein Thermostat als Hygrostat
Der Z35 v2 hat zwei Thermostate. Der erste regelt die Raumtemperatur, der zweite ist frei — ihn machen wir zum Hygrostaten. Die ETS beschriftet den Sollwert in °C, aber das ist nur eine Beschriftung: Der Thermostat arbeitet mit einer Zahl.
Thermostat 2 → Konfiguration

| Parameter | Wert | Wozu |
|---|---|---|
| Thermostatfunktion | Heizen | Der Ausgang schaltet ein, wenn der Wert unter dem Sollwert liegt — genau das braucht ein Befeuchter |
| Anzahl Heizsysteme | Ein System | Ein Befeuchter, ein Ausgang |
| Thermostattyp | Basis | Ein Sollwert, ohne Komfort-, Standby- und Schutzbetrieb |
| Anfangssollwert | 40 | Nach dem Download startet der Thermostat mit 40 % |
| Referenztemperatur | Temperaturquelle 1 | Der Thermostat nimmt den Wert von einem externen Objekt statt von seinem eigenen Temperatursensor. Hier kommt die Feuchte an |
| Thermostat immer eingeschaltet? | Nein | Es gibt ein Ein/Aus-Objekt, die Befeuchtung lässt sich am Panel abschalten |
| Startverhalten | Letzter (vor Busausfall) | Nach einem Busspannungsausfall stellt der Thermostat Sollwert und Ein/Aus wieder her |
[System 1] Heizregelung

| Parameter | Wert | Wozu |
|---|---|---|
| Regelungsart | 2-Punkt-Regelung | Ein Befeuchter kann nur ein- und ausschalten, eine stetige PI-Regelung bringt ihm nichts |
| Untere Hysterese | 30 × 0,1 = 3 % | Einschalten, wenn die Feuchte unter 40 − 3 = 37 % fällt |
| Obere Hysterese | 10 × 0,1 = 1 % | Ausschalten bei 40 + 1 = 41 % |
| Zyklisches Senden | 0 | Der Befehl geht nur beim Umschalten raus |
So entsteht ein Band von 37 bis 41 %. Die untere Hysterese ist breiter als die obere: Der Befeuchter startet seltener und läuft dafür länger, und das Relais klackt nicht bei jeder kleinen Feuchteschwankung.
Objekte von Thermostat und Sensor

| Objekt | Adresse |
|---|---|
| 1206 [T2] Temperaturquelle 1 | 5/0/18 HT Humidity — hier kommt die Feuchte an |
| 1217 [T2] Sollwert | 5/0/16 HT SetPoint |
| 1220 [T2] Sollwertstatus | 5/0/17 HT SetPoint St |
| 1226 [T2] Ein/Aus | 5/0/14 HT Acive |
| 1227 [T2] Status Ein/Aus | 5/0/15 HT Acive St |
| 1235 [T2] [C1] Stellgröße (Heizen) | 5/0/19 HT Zone — Befehl an den Aktorkanal |
| 1245 [Feuchte] Aktuelle Feuchte | 5/0/18 HT Humidity — von hier geht die Feuchte auf den Bus |
Die Adresse 5/0/18 hat den Typ DPT 9.007 (Feuchte), das Objekt „Temperaturquelle 1“ dagegen DPT 9.001 (Temperatur). Die ETS lässt die Verknüpfung zu, weil beide Objekte zwei Byte im selben Format sind. Zwei Objekte hören auf die Adresse — der Thermostat und Feld K6 im Display —, deshalb zeigt sie drei Verknüpfungen.
Schritt 3. Relais und Befeuchter
Der Befeuchter hängt mit seinem EIN/AUS-Steuereingang am Relais, als potenzialfreier Kontakt. Seine Versorgung bleibt immer an, das Relais gibt ihn nur frei oder sperrt ihn. So schaltet das Relais keine Last, und der Befeuchter fährt selbst sauber hoch und herunter.

| Parameter | Wert | Wozu |
|---|---|---|
| Typ | Schließer (normal offen) | Der Kontakt schließt bei einer 1, der Befeuchter läuft |
| Zeitfunktionen, Szenen, Alarme | aus | Nicht nötig: Den Ausgang steuert der Thermostat |
| Verhalten bei Sperre und bei Busausfall | Keine Änderung | Der Ausgang bleibt, wie er war |
Objekte des Relais
Ausgang J19 bekommt den Befehl von 5/0/19 und sendet seinen Status an 5/0/20. Die anderen vier Zonen funktionieren genauso über die Ausgänge J20, K21, K22 und L23, jede Zone mit eigener Adressgruppe.

Schritt 4. Die Oberfläche am Panel
Zum Z35 v2 selbst noch ein Wort. Seine Seiten bestehen aus Feldern, und jedem Feld lässt sich eine eigene Funktion zuweisen — Taste, Anzeige, Zahlenfeld, Aufzählung — und eine eigene Beschriftung. So lässt sich am Panel eine Oberfläche für fast alles bauen, nicht nur für Licht und Klima.
Für den Befeuchter haben vier Felder gereicht.

| Feld | Funktion | Adressen |
|---|---|---|
| K5 | Schalten „0/1“ mit Anzeige: Befeuchtung ein und aus | → 5/0/14, ← 5/0/15 |
| K6 | 2-Byte-Anzeige: aktuelle Feuchte | ← 5/0/18 |
| K7 | 2-Byte-Steuerung mit Anzeige: Sollwert | → 5/0/16, ← 5/0/17 |
| K8 | Binäre Anzeige: Befeuchter läuft | ← 5/0/20 |
Was im Betrieb passiert
Die Tabelle taugt zugleich als Prüfplan mit dem Gruppenmonitor der ETS.
| Situation | Was auf den Bus geht | Ergebnis |
|---|---|---|
| Feuchte fällt unter 37 % | Sensor: 36,5 auf 5/0/18. Thermostat: 1 auf 5/0/19 | Das Relais schließt, der Befeuchter läuft. Das Relais sendet 1 an 5/0/20, die Anzeige am Panel leuchtet |
| Feuchte erreicht 41 % | Thermostat: 0 auf 5/0/19 | Der Befeuchter stoppt, die Anzeige erlischt |
| Feuchte zwischen 37 und 41 % | Nur Feuchtewerte | Nichts schaltet |
| Bewohner hebt den Sollwert auf 45 % | Panel: 45 auf 5/0/16. Thermostat: 45 auf 5/0/17 | Die Einschaltschwelle liegt jetzt bei 42 %. Liegt die Feuchte darunter, startet der Befeuchter |
| Bewohner schaltet die Befeuchtung ab | Panel: 0 auf 5/0/14. Thermostat: 0 auf 5/0/15 | Der Thermostat ist aus und startet den Befeuchter nicht |
| Busspannung weg und wieder da | Der Sensor sendet die Feuchte innerhalb einer Minute | Der Thermostat stellt Sollwert und Ein/Aus wieder her |
Worauf man achten sollte
- Kalibrierung. Den Panelsensor mit einem Hygrometer vergleichen, bevor man den Sollwert wählt. Der Sensor misst die Luft an der Wand, an der das Panel hängt, und kann spürbar von der tatsächlichen Feuchte abweichen.
- Der eigene Hygrostat des Befeuchters. Falls vorhanden, höher einstellen als den KNX-Sollwert. Sonst stoppt der Befeuchter, bevor der Thermostat es will.
- Standort des Befeuchters. Nicht neben das Panel stellen: Ein Strahl feuchter Luft auf den Sensor schaltet den Befeuchter ab, bevor der ganze Raum die Feuchte erreicht hat.
- Busausfall. Mit „Keine Änderung“ bleibt der Relaisausgang, wie er war: Lief der Befeuchter, läuft er weiter. Ist das unerwünscht, den Ausgang auf Ausschalten stellen.
- Beschriftungen in der ETS. Sollwert und Hysterese sind in °C beschriftet. Das ist kein Fehler, der Thermostat arbeitet einfach mit einer Zahl.
Checkliste für die Inbetriebnahme
- Feuchtesensor mit Hygrometer verglichen, Kalibrierung eingetragen
- Sendezyklus der Feuchte gesetzt (hier 60 s)
- Thermostat 2: Heizen, Basis, Temperaturquelle 1, „Thermostat immer eingeschaltet?“ — Nein
- 2-Punkt-Regelung: 3 % unten, 1 % oben
- Feuchte mit der Temperaturquelle des Thermostats und der Anzeige im Display verknüpft
- Stellgröße mit dem Relaisausgang verknüpft, Relaisstatus mit der Anzeige
- Im Gruppenmonitor: Der Befeuchter startet unter 37 % und stoppt bei 41 %
- Befeuchtung bei laufendem Befeuchter abgeschaltet: 0 auf 5/0/19, der Befeuchter hat gestoppt
- Busspannung aus- und eingeschaltet: Sollwert und Ein/Aus bleiben erhalten
Wenn das nicht reicht
Ein freier Thermostat ergibt einen einfachen Hygrostaten: an, wenn es trocken ist, aus, wenn es reicht. Soll die Befeuchtung weitere Dinge berücksichtigen — Lüften, die Klimaanlage, einen Nachtbetrieb —, gehört diese Logik besser in einen Controller. In derselben Wohnung laufen so die Klimageräte: Sie steuert ein Wiren Board, die Befeuchtung kommt ohne ihn aus.
Das Projekt mit 72 m²: fünf Klimazonen mit Z35-PanelsZweileiter-Klimasysteme: alle Betriebsarten behaltenKNX-Programmierung als Leistung